Platz da!
 
Meerschweinchen Platz Meerschweinchen Flecki im Zelt

Wieviel Platz braucht ein Meerschweinchen?

Meerschweinchen sind klein und ihr Körperbau erscheint auf den ersten Blick etwas unsportlich. Man könnte daher meinen, dass sie nicht viel Platz benötigen. Doch das ist ein Irrtum. Sicher kommt es auch darauf an, was man als "viel Platz" bezeichnet. Im Gegensatz zu Pferden, Giraffen und anderen Haustieren sind Meerschweinchen doch relativ genügsam, was ihren Platzbedarf angeht. Doch mit dem Platz, der in handelsüblichen Käfigen als Meerschweinchen-Wohnfläche angeboten wird, kann man Meerschweinchen nicht zufriedenstellen.

Dass Meerschweinchen jedoch über ganz kurze Zeiträume auch mit sehr wenig Platz auskommen, musste Flecki demonstrieren, indem sie sich in ein Hamster-Zelt hineinquetscht.

Meerschweinchen Flecki in der Spielzeugkiste

Leider sieht man Meerschweinchen ihre Unzufriedenheit in den meisten Fällen nicht an. Was bleibt ihnen schon anderes übrig, als in einem kleinen Käfig auszuharren? In der Eingewöhnungsphase veranstalten sie vielleicht noch wilde Aktionen, um ihren Bewegungsdrang abzureagieren und rennen so schnell im Kreis, wie es der Bodenbelag zulässt. Doch irgendwann wird wahrscheinlich auch das sportlichste Schwein resignieren und sich in sein eingeengtes Schicksal fügen. Schweine-Glück sieht jedoch anders aus.

Als dauerhafte Wohnfläche ist ein Quadratmeter pro Meerschweinchen ein gutes Richtmaß - nach oben offen. Auch etwas weniger Grundfläche wird von den kleinen Schweinen noch akzeptiert. Doch von Daumenregeln, die pro Quadratmeter zwei bis drei Schweine empfehlen, halten wir und die Schweinchen der SIFLE-Truppe nichts.

Viele Meerschweinchen auf einem halben Quadratmeter

Auch ein zusätzlich ins Gehege hineingeschraubtes Brett von 80 x 20 cm rechtfertigt NICHT die Anschaffung eines weiteren Schweinchens. Selbstverständlich sollten auch Rampen, Häuserdächer und ähnliches nicht zur Wohnfläche zugerechnet werden. Oder was würden Sie sagen, wenn Sie jemandem ihr Leid über die kleine Küche klagen und zur Antwort bekommen: "Auf den Küchenschränken haben Sie doch auch noch 1,9 Quadratmeter Wohnfläche!" ?

Außerdem muss man bei einer ausreichenden Gehegegröße kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Schweine mal einige Tage ohne Auslauf auskommen müssen. Denn nach der anfänglichen Euphorie und dem festen Vorsatz, den Tieren jeden Tag mindestens drei Stunden Auslauf zu gewähren, kommen immer mal Tage, an denen man den Schweinen nicht die Möglichkeit bieten kann (oder möchte), die Wohnung mit Einstreuflocken zu dekorieren und überall Böhnchen zu verteilen. Krankheit, lange Arbeitstage, Urlaub, Besuch der Schwiegermutter... all dies kann dazu führen, dass die Schweine in ihrem Gehege bleiben müssen.

Meerschweinchen Ninja an der Plexiglas-Scheibe Meerschweinchen Andi Scheibe

An allen anderen Tagen sollte man versuchen, den Schweinen die Möglichkeit zu einem kleinen Freigang zu geben.

Freilauf - nach Belieben?

Ideal ist es, wenn man den Meerschweinchen die freie Wahl lässt, ob sie ihr Gehege verlassen möchten, oder lieber drinnen bleiben. Bei Käfigen oder Gehege, die auf dem Boden stehen, genügt eine einfache Holzbrücke, die man an den Ausgang stellt oder ein schräges Brett, über das die Schweine nach draußen gelangen können.

Meerschweinchen Frieda auf der Rampe

Wir öffnen die unterste Plexiglasscheibe unseres Geheges und stellen den Schweinchen frei, ob sie rauskommen möchten oder nicht. Inzwischen kennen sie das Geräusch beim Öffnen ganz genau und kommen sofort heruntergerannt, stürzen ins Schweine-Zimmer und düsen herum. Scheue Schweinchen (so wie Ninja und Frieda, die Freilauf aus ihrem alten Zuhause noch gar nicht kannten) können so erst mal am Ausgang stehen bleiben und die Lage sondieren (erschnüffeln). Sie können die anderen Schweine im Auslauf beobachten und verlassen erst dann ihr bekanntes Terrain, wenn sie sich trauen. Stress kommt so gar nicht erst auf. Und die Neugier treibt früher oder später jedes Schweinchen nach draußen.

Auch der Rückzug in das Schweine-Gehege findet genau dann statt, wenn ein Schweinchen keine Lust mehr auf Freigang hat. Jedes Schwein tapst über ein schräg angelehntes Brett in das Gehege zurück. Manchmal ist die große Entdecker-Laune schon nach fünf Minuten verflogen. Waren die Schweinchen allerdings ein paar Tage nicht draußen, oder gibt es draußen ein paar Leckerchen oder interessante Tunnellandschaften, bleiben sie auch schon mal eine halbe Stunde oder länger draußen.
Doch keine Sorge: Auch bei dieser Methode ist man den Launen der Schweine nicht zu 100% ausgeliefert. Wenn es mal schnell gehen muss und die Schweine wieder ins Gehege hineinsollen, bevor sie ihren Ausflug selbst als beendet ansehen, lassen sie sich sehr schnell mit ein paar Leckerchen wieder ins Gehege hineinlocken.

Spaß im Auslauf

Oft hört man "Meine Meerschweinchen brauchen keinen Auslauf - Die sitzen eh nur bewegungslos in einer Ecke." Meist liegt diese Bewegungsstarre nicht an Lustlosigkeit oder fehlendem Bewegungsdrang, sondern schlicht und ergreifend an Angst. Muss man seine Schweine für den Auslauf einfangen, um sie dann nach draußen zu setzen, kann dies schon zu großem Stress führen, wenn das Tier das Hochheben nicht gewohnt ist. Der plötzliche Wechsel in die unbekannte Umgebung tut sein übriges.
Auch die Einrichtung der Freilauffläche ist wichtig. Zum Einen sollte der Untergrund nicht zu kalt und glatt sein. Auf Laminat und Fliesen können Schweinchen nur schlecht laufen. Wenn sie sich erschrecken und schnell flüchten wollen, rutschen sie so stark mit den Krallen, dass sie gar nicht von der Stelle kommen - und DANN kommt richtige Panik auf. Daher sollte man Teppiche oder Decken auslegen, auf denen die Schweine möglichst rutschfrei laufen können. Nach einigen vorsichtigen Versuchen laufen sie erfahrungsgemäß auch auf glatten Untergründen recht sicher. Doch allein wegen der Kälte von Fliesen sollte man immer auch zumindest einen Teil der Auslauffläche mit Decken oder ähnlichem auslegen. Gute Dienste leistet uns eine günstige IKEA Tagesdecke, die schön groß und dünn ist (passt also gut in die Waschmaschine). Wegen der glatten Oberfläche lassen sich Einstreuflocken leicht abschütteln.

Doch auch beim tollsten Untergrund werden die Schweinchen nur ein paar Runden drehen und dann wieder in ihr Gehege verschwinden, wenn sich nichts Interessantes zum Beschnüffeln findet. Ängstliche Schweine trauen sich bei einer völlig leeren Freilauffläche möglicherweise gar nicht erst hinaus. Es sollten immer einige Hütten oder Kartons zum Verstecken angeboten werden. Dorthin kann man auch mal schnell huschen, wenn einem etwas unheimlich erscheint, ohne direkt wieder ins Gehege zu flüchten. Spielmöglichkeiten machen einen Ausflug ins Freie natürlich erst so richtig spannend.

Meerschweinchen Flecki und Conny im Regal

Aufsicht

Wenn Meerschweinchen den Freigang in ihrem Zimmer erst einmal gewohnt sind und angstfrei herumlaufen, zeigt sich ihre Neugier. Sie trauen sich in die entlegensten Winkel und beschnüffeln alles und jeden. Sie kriechen überall drunter, wo ihr Schweinepopo noch drunterpasst und auch kleine Nischen und leere Regalböden werden inspiziert.

Alles was irgendwie interessant riecht, wird auch schon mal angenagt.
Man sollte daher die Schweine beim Freilauf niemals alleine lassen, wenn man nicht alles absolut schweinesicher aufgebaut hat. "Schweinesicher" heißt in diesem Fall: FÜR die Schweine sicher - aber auch VOR den Schweinen sicher.

  • Sind irgendwo in erreichbarer Höhe (bis 35 cm) Stromkabel?
  • Könnten teure Möbel angeknabbert werden?
  • Liegt irgendwo ein Teppich, der auf keinen Fall Meerschweinchenspuren bekommen darf?
  • Ist ein anderes Haustier in der Nähe, das die Schweinchen vielleicht als Beute ansehen könnte?
  • Liegt irgendwo Plastik oder anderes gesundheitsschädliches Material herum, das angefressen werden könnte?
  • Können die Schweinchen irgendwo "ausbrechen" und verschwinden?
  • Könnten andere Familienmitglieder versehentlich auf ein Schweinchen treten?
  • Könnten sie versehentlich von einer Tür verletzt werden?
  • Ist der Untergrund so empfindlich, dass Pipiflecken sofort entfernt werden müssen?

Nur wenn man alle Fragen sicher mit "Nein" beantwortet, kann man die Schweinchen auch unbeaufsichtigt im Auslauf lassen.

Auslauf - lohnt sich!

Die Arbeit, die man durch den Freilauf der Schweinchen hat, ist überschaubar. Mit Hin- und Wegräumen aller Hütten und Co und anschließendem Fegen dauert es meist nicht viel länger als eine halbe Stunde. Doch sie bringt den Meerschweinchen viel Abwechselung in den Alltag, hält sie fit und macht auch den Schweinehaltern Spaß, denn im Auslauf kann man seine Schweinchen mal richtig in Aktion erleben und sich prima mit ihnen beschäftigen.
Der Dank, den man dafür erhält, ist nicht immer ganz offensichtlich. Die Schweinchen werfen sich einem nicht dankbar um den Hals. Doch wenn man sieht, dass sie nach dem eifrigen Herumwuseln und geschäftigen Beschnüffeln erschöpft ins Einstreu sinken und ein Schläfchen einlegen, dann weiß man, dass es sich gelohnt hat :-)
Und manchmal kann man ihnen ihre Freude beim Auslauf auch ganz deutlich ansehen :-)


So, jetzt ist genug Platz da. Was gibt´s noch Interessantes über Meerschweinchen zu wissen?


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