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Die optimale Zusammenstellung einer Meerschweinchengruppe

Wenn man sich Meerschweinchen ins Haus holen möchte und sich entsprechend vorher genau informiert hat, geht es los mit der Gruppenzusammenstellung. Oft werden wir gefragt, wie sich eine Gruppe optimal zusammensetzen lässt oder was für ein Schwein am besten in die bestehende Gruppe integriert werden sollte.

Fragen wie: Mein Schweinchen ist verstorben, was mache ich mit dem übriggebliebenen Partner? Kann man mehrere Männchen zusammen halten? Kann ich zwei Böckchen zu meinen Mädels setzen?

Wie stellt man also am besten eine optimale Meerschweinchengruppe zusammen?
Alte Knacker, junge Hüpfer, fesche Mädels oder geile Böcke?

Zu dieser Frage findet man jede Menge Informationen in Büchern, im Internet oder sonstwo. Dumm ist nur, dass man an vielen Stellen doch noch arg veraltete Informationen finden kann.

Veraltete Informationen über Meerschweinchen
aus: Das Grosse Buch für kleine Tierfreunde

Die optimale Zusammenstellung einer Meerschweinchengruppe auf dieser Seite ist rein theoretisch und wir wissen, dass man diese nicht sehr oft findet. Dass es in der Realität selten so ist, hat viele Gründe. Viele Gruppen werden z.B. mit Notschweinen erweitert. Und Notmeerschweinchen ein besseres Leben zu bieten, sollte vor dem Wunsch stehen, eine 100% optimale Gruppe zu halten.

Notstation.de - Sammlung von Meerschweinchen Notstationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Wieviele Meerschweinchen sollte man zusammen halten? Eins? Zwei? Mehr?

Meerschweinchen sind Gruppentiere mit einem komplexen Sozialverhalten. Die Einzelhaltung in viel zu kleinen Behausungen ist, GötTin sei Dank, inzwischen immer seltener geworden und selbst in manchen Zoohandlungen werden Meerschweinchen nur noch paarweise verkauft. Trotzdem ist ein Paar immer noch keine Gruppe. Diese fängt erst mit drei Tieren an und hat vorerst nach oben keine Grenze. In diversen Internetforen findet man die Information, dass erst ab ca. 8 Tieren sich kleine Splittergrüppchen mit mehreren Leittieren bilden können. Wir können diese Zahl nicht bestätigen, da wir platzmäßig wohl nie in die Lage kommen werden, so vielen Meerschweinchen bei uns ein Zuhause verschaffen zu können.
Die paarweise Haltung ist aus der Verteufelung der Einzelhaltung entstanden, entspricht aber auch nicht mehr dem heutigen Wissensstand über Meerschweinchenbedürfnisse.

Fassen wir also zusammen: Mindestens 3 Meerschweinchen sollten es schon sein.

Mindestens 3 Meerschweinchen

Welche Geschlechter? Männchen und Weibchen? Reine Weibchen- oder reine Böckchengruppe?

In der natürlichen Lebensweise der Meerschweinchen ist es nun einmal so, dass eine klare Rangfolge innerhalb einer Gruppe herrscht. Der Anführer dieser Gruppe ist in den allermeisten Fällen ein Bock (Männchen). Um keinen unerwünschten Nachwuchs zu erhalten, sollte dieser unbedingt kastriert sein/werden, bevor man ihn mit Weibchen zusammensetzt. Durch sein natürliches Verhalten, wie Aufreiten oder Brommseln hält er die Gruppe zusammen und sorgt für allgemeines Wohlbefinden. Ein richtiges Chef-Schwein umsorgt seine Damen in dem es z.B. Streit schlichtet oder sie beruhigt nachdem sie sich erschreckt haben. Dieses Wohlbefinden ist eine wichtige Maßnahme, um Krankheiten vorzubeugen. Denn ein Meerschweinchen in einer natürlichen, ruhigen, sozialen Gruppe hat wesentlich weniger Stress und ist somit resistenter gegen Krankheiten wie z.B. Milbenbefall.

In einer reinen Weibchengruppe findet sich meist eine Anführerin, die die Bockrolle übernimmt. Um die Gruppe anzuführen, muss sie selbstverständlich ein Verhalten zeigen, das sonst nur männliche Tiere zeigen würden. Dieses für ein Weibchen ungewöhnliche Verhalten irritiert den aufmerksamen Beobachter ("Mama? Warum ruckelt die Sandy auf der Mandy hinten drauf rum?") und bei einer späteren Vergesellschaftung mit einem Kastraten kann es zu ernsthaften Rangkämpfen zwischen dem Bock und dem Alphaweibchen kommen. Manchmal kann es Monate dauern, bis dieses Weibchen das männliche Gehabe wieder abgelegt hat und die andauernden Rangstreitigkeiten bringen eine Menge Unruhe in die Gruppe.

Beispiele für eine reine Böckchengruppenhaltung gibt es zum Beispiel bei den Salatkillern zu lesen.

Mehrere Böckchen (Meerschweinchen-Männchen) kann man zusammen halten. Allerdings entspricht eine reine Männer WG nicht annähernd einer natürlichen Meerschweinchengruppe. Viele Faktoren beeinflussen, ob diese Art Haltung überhaupt funktioniert. Pubertät, Kastrationen, Kontakt mit Weibchen,... Eine reine Bockgruppe zu halten, ist wohl die schwierigste Art, Meerschweinchengruppen zu halten und man sollte sich vorher jede Menge Informationen von erfahrenen Bockhaltern suchen.

Aber warum sollte man überhaupt auf die Idee kommen, eine reine Böckchengruppe zu halten? Die Natur hat es so eingerichtet, dass genausoviele Männchen wie Weibchen geboren werden. In freier Wildbahn ist das halb so schlimm, da die meisten Meerschweinchen nur eine geringe Lebenserwartung haben. In Gefangenschaft, in unserer Haustierhaltung, hat man allerdings auf Dauer jede Menge Männchen "übrig". Sollte man diese, wie es in der freien Natur angedacht war, dem Kondor oder dem Kojoten (im Zoo) spenden? Sollten die putzigen Kerle nur wegen ihres Geschlechtes diskriminiert werden?

Fassen wir also zusammen: Eine optimale Meerschweinchengruppe beginnt mit 1 Kastraten und mindestens 2 Damen.

Meerschweinchen Dame Meerschweinchen Kastrat Meerschweinchen Dame

Wie alt sollten die Meerschweinchen in einer Gruppe sein?

Oft werden bei der Meerschweinchenhaltung die einzelnen Schweinchen nach Fell und Farbe ausgesucht und das Alter der Meerschweinchen ist für viele Halter kein Auswahlkriterium. Gerade im Handel oder bei Züchtern bietet es sich an, eine ganze Familie auf einmal mitzunehmen, da alle einen ähnlichen Farbschlag haben und den persönlichen Geschmack treffen.

Nimmt man jetzt also z.B. einen Bruder und 3 Schwestern bei sich auf? Die kennen sich ja bereits. Das dürfte doch kein Problem geben. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Da es hier aber um eine optimale Zusammenstellung geht, nehmen wir keinesfalls nur Bruder und Schwestern. Zumindest nicht aus einem Wurf.

Warum?

Kleines (vielleicht etwas herbes) Beispiel: Haben Sie Geschwister? Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie direkt nach der Geburt zusammen mit Ihren (Zwillings-)Geschwistern von der Außenwelt abgeschottet worden sind. Nur Sie und Ihre gleichaltrigen Geschwister.
Sicherlich werden Sie bestimmte Verhaltensweisen genau wie "normale" Menschen zeigen, aber vieles wird nicht funktionieren. Wer bringt Ihnen Sprache bei? Wer zeigt Ihnen was man essen kann und was nicht? Wer zeigt Ihnen wie sich ein ganz normaler Mensch verhält? Niemand! Sie und Ihre Geschwister werden zwar irgendwie körperlich erwachsen, aber Sie werden vermutlich ein sehr eigentümliches Verhalten an den Tag legen. Vielleicht kommen Sie damit zurecht. Vielleicht auch nicht. Woher soll ein Außenstehender wissen, dass Sie, wenn Sie sich mit einer Schüssel an den Kopf schlagen, eigentlich nur was zu essen haben wollen...
Um wieder zu den Meerschweinchen zu kommen: Hier sieht es genauso aus. Erfahrene Schweine können den unerfahrenen zeigen, was man als Schwein so macht und was nicht. Schweinedinge eben. Nur so können Meerschweine ein natürliches Sozialverhalten an den Tag legen und es an folgende Generationen weitergeben. Bei dem männlichen Boss und den Weibchen sollte also noch ein natürliches "Altersgefälle" herrschen. Die erfahrenen Altschweine bringen den Jungtieren alles bei, was ein kleines Schweinchen wissen muss.
Aber nicht nur die erfahrenen Tiere sorgen für eine optimale Schweinejugend. Ebenfalls wichtig sind gleichaltrige Spielgenossen. Das ist wie bei uns Menschen. Besucht ein Kind die Oma, ist das zwar schön und gut, aber wenn das Kind richtig rumtollen will, kann die Oma einfach nicht mehr mithalten. Fußball spielende Omas sind sehr selten! Hier springt dann z.B. der Nachbarsjunge ein. Oder, wie bei einer optimalen Meerschweingruppe, ein anderes Baby- oder Jungschwein. Unser junger Andi (1 Jahr alt) hat damals mit Baby-Conny (4 Wochen alt) eine Freundschaft fürs Leben geschlossen.

Fassen wir also zusammen: Eine optimale Meerschweinchengruppe beginnt mit 1 Kastraten und mindestens 2 Damen, von denen die Meerheit erfahrene Schweinchen sein sollten. Alter ist allerdings nicht mit Erfahrung gleichzusetzen. Wenn ein Schweinchen den anderen etwas beibringen soll, muss es das natürlich vorher irgendwo anders bereits gelernt haben. Zum Beispiel in einer bestehenden, funktionierenden Gruppe.

Meerschweinchen lernen von älteren Tieren

Ausfall in der Gruppe

Irgendwann wird immer mal ein Schweinchen seine Koffer packen und für immer über die Regenbogenbrücke gehen. Dieses Schweinchen wird niemals ersetzt werden können, denn jede kleine Fellmurmel ist einzigartig.
Möchte man jedoch die in der Gruppe entstandene Lücke wieder füllen, sollte man sich überlegen, was für ein Schweinchen in die Gruppe passt. Ein Babyschweinchen macht einem die Sache relativ einfach. Es wird von den älteren Gruppenmitgliedern entsprechend eingewiesen, bekommt den letzten Startplatz in der Rangordnung zugeteilt und muss sich irgendwann (wenn es möchte) hocharbeiten.
Beachtet man allerdings die Regeln für eine vernünftige Vergesellschaftung, kann man so gut wie jedes Schweinchen in eine bestehende Gruppe integrieren.

Hierbei sollte man immer die Gruppengröße im Auge behalten. Hält man Meerschweinchen paarweise und eines der beiden verstirbt, hat man die Pflicht, umgehend für Artgenossen zu sorgen (und kann ganz nebenbei auch auf eine natürliche Gruppengröße aufstocken). Auch wenn man sich entscheidet, dass man keine Meerschweinchen mehr haben möchte, sollte man soviel Rückgrad besitzen, sich anständig um ein neues Zuhause für das übriggebliebene Schweinchen zu kümmern. Gerade Meerschweinchen-Notstationen sind hier die erste Wahl und viele Meerschweinchen Internetforen haben spezielle Bereiche für die Vermittlung von Meerschweinchen. Aber auch Tierheime werden niemanden beleidigen oder an die Wand stellen, wenn man dort ein Tier zur Vermittlung abgibt. Hauptsache man kümmert sich, denn kein Schweinchen hat ein Leben alleine verdient.

Notstation.de - Sammlung von Meerschweinchen Notstationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Platz

Zu guter letzt wird der Schweine-Neu-Gruppen-Besitzer eines auf jeden Fall noch feststellen: Es muss ausreichend Platz vorhanden sein! Wir propagieren die Faustregel 1 mē-pro-Schwein-soll-es-sein, welche je nach Gehegestruktur auch etwas abweichen kann. Denn nur mit genügend Platz kann eine Schweinegruppe ihr natürliches Verhalten ausleben und Schweinedinge machen.

Meerschweinchen brauchen viel Platz

Muss es denn immer eine optimale Gruppe sein?

Das lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten. Schauen Sie mal im nächsten Tierheim vorbei oder besuchen Sie die vielen Meerschweinchen-Notstationen im Internet. Dort sitzen jede Menge ausgewachsene Schweine, die auch ein schönes Leben haben möchten. Und sollte man die nicht vermitteln, nur weil sie zu alt sind? Das wären dann ja Zustände wie auf dem deutschen Arbeitsmarkt!
Schauen Sie dem Notschwein in die Knopfaugen und Sie werden wissen, dass eine optimale Gruppenzusammenstellung wie sie hier beschrieben wurde, wünschenswert ist, aber nicht unbedingt sein muss.

Niedliches Meerschweinchen Conny

Auch nicht optimal zusammengesetzte Gruppen können einwandfrei funktionieren. Reine Bockgruppen, reine Weiber-Trupps oder eine Rentner-WG.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Thema Kaninchen: Ob man ein Kaninchen mit Meerschweinchen zusammenhält oder mit einem Paket Nudeln - für Meerschweinchen macht es kaum einen Unterschied (nur, dass Kaninchen mehr nerven als Nudelpakete). Kaninchen sind Kaninchen und keine Meerschweinchen und haben in einer Meerschweinchengruppe nichts zu suchen, denn sie können keine Artgenossen ersetzen.


Optimal Egal? Wichtig ist, dass die Gruppe ein harmonisches Leben führen kann.


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